War der Sündenapfel eine Banane der Erkenntnis?
Dem Sündenfall der Pflanzen und Tiere folgte der Sündenfall der Engel: Aus ihrem Himmel gestoßen, fielen sie Bäumen entgegen, die in den Himmel wuchsen. In vorirakischen, vorgnostischen, vorbiblischen, fast vorsumerischen Schöpfungsmythen verlief alles etwas anders als später dann bei Eva und Adam. Adams Vorfahr Adapa oder Adamu fällte den ältesten Welt- und Lebensbaum von Babel und unterbrach so die baumförmige Nabelschnur zwischen Himmel und Erde, Eden und Elysium. So koppelten Menschen sich ab von Gott. Laut anderer Textbruchstücke soll Adapa noch im Paradies Urmutter Chawwa, später auch Eva genannt, geschändet haben, was Sexisten gern mit „vergewaltigt“ übersetzten, von Umweltschützern lieber mit „verschandelt“. Jedenfalls wurde Adapa deshalb entweder rausgetrieben aus dem Vielstrom-Paradiesgarten, oder Fata Morgana selber blühte ab, auch Fata Maja genannt, samt Flora und Pomona. Ihr Standort erodierte fatal.
Später keimten scholastisch und rabulistisch florierende Zwiste auf, als was für eine Obstsorte ursprünglich die Frucht der Erkenntnis eigentlich wissenschaftlich festgelegt werden könne – Granatapfel oder Maulbeerfeige? Der Haggadah zufolge eine Feige. Christliche Ikonographie zeigte stets einen Apfelbaum – wie aber kann ein Apfelbaum Feigenblätter bzw. ein Feigenbaum Sündenäpfel produzieren? Im Islam wurde der Erkenntnisbaum zur Bananenpalme, und die Banane zu Muhammads halbmondförmiger Lieblingsfrucht, die vor allem im Paradies nicht fehlen wird, siehe Sure 56, allwo Talhabäume zwar auch mal mit Akazien übersetzt wurden, oder Sumachgewächsen (Ehus coriaria), mehrheitlich aber mit gebüschelten Bananen oder Bananen mit Blütenschichten. Auf spätmittelalterlichen Mutter-Kind- bzw. Jungfrau-Maria-Jesuskind-Gemälden lag auf der Brüstung stets ein Apfel, der das neue ans alte Testament band, alsbald auf späteren Bildern seine religiöse Symbolik einbüßte oder losließ und dann nur noch als weltliche Birne dalag. Im „Lost Paradise“ des John Milton steht der Erkenntnisbaum wiederum als Feigenbaum da, doch nicht etwa als gemeine Feige, sondern als imposanter Banyanbaum, Ficus bengalensis, zu deutsch auch: Würgefeige, weil die Überfülle der Luftwurzeln sich zum Wald auswächst und hierbei den Mutterstamm erdrückt.
Heutige Pilzenthusiasten und Fliegenpilzfetischisten wie Clark Heinrich erkennen ihren Fliegenpilz nicht erst im gebrochenen Brot des Abendmahls und im brennenden Busch des Moses wieder, sondern überdies in der botanisch undefinierten, jedenfalls angeblich tödlichen, also giftigen Rauschfrucht der Erkenntnis, und zudem in der Giftschlange; denn sowohl Pilzstiel wie Schlange häuten sich, und sowohl Jungpilz wie Apfel liegen rot und rund im Gras. Nur fallen in dieser allzu expansiv mykophilen Erklärung dann wieder die Feigenblätter stillschweigend unter den Tisch.
